Raubrittertum

Der Raubritter und Händeabhacker Hans Thomas von Absberg in Glashütten

Fast 50 Jahre betrieben die Herren von Absberg, die
eigentlich selbst Landes- und Gerichtsherren waren, die das Gericht,
Blutgericht und sonstige Freiheiten besaßen, das hauptberufliche Handwerk des
Wegelagerers.

Der Raubritter Hans Thomas von Absberg hatte in Hans von Ems
einen Kumpanen dessen „Arbeit“ bei überfallenen Geistlichen darin
bestand, diesen die Hoden abzuschneiden.

(Der Noochtgieger“ von Hermann Seis).

In der Festschrift zum Gründungsjubiläum 1986 – 425 Jahre
Wirsberg Gymnasium in Würzburg – wird zu Ehren des Gründers der Schule,
Fürstbischof Friedrich von Wirsberg einleitend die Genealogie des in
Glashütten geborenen Bischofs beleuchtet. Dabei fällt auf, daß Friedrich
bereits Domherr in Eichsättt (1521) war, als sein Vater Siegmund in Glashütten
die Brutalität des Absbergers unterstützte.

Hermann Seis stellt dazu fest: das war damals so üblich. Der
Onkel des Absbergers war wegen Totschlages verurteilt und war Domkanoniker. Er
bekam sogar weitere Pfarrstellen als Einnahmequellen, obwohl er nicht mehr zum
Priester geweiht werden konnte.

Die folgende Geschichte ist von Oberlehrer Gottlieb Mller
(Sohn des Oberlehrers Eduard Müller) überliefert.

Die Muthmannsreuther Bluttat 1522

Die Bluttat des grausamen Raubritters Hans Thomas von Absberg,
dem „Händeabhacker“, hängt mit der Geschichte Glashüttens zusammen,
denn der Täter ging vom Glashüttner Schloss aus und kehrte nachher wieder
dahin zurück. Auf Glashütten sah damals Siegmund I. von Wirsberg (1513 bis
1543).

Drei dicke Foliobände in der Kriegsstube des Nürnberger
Rathauses können kaum alle Schandtaten dieses Feindes der Reichsstadt fassen.
Wenn er Nürnberger zu fassen bekam, hieb er den unschuldigsten Leuten die
rechte Hand ab. Schon seit 1512 war er in der Reichsacht. Von Eppelein von
Gailingen hatten seine Ahnen und er die kühne Verwegenheit gelernt. Ritter Hans
Thomas von Absberg – seine Stammburg lag zwischen Spalt und Gunzenhausen – mit
roten Kopf – und Barthaaren befahl seinen drei besten Knechten Veit, Jörg und
Enderlein : Wen ihr vom Bund und der Stadt trefft, dem haut die Hände ab und
wer sich wehrt, den erstecht! Thomas fand in Krögelstein bei seinem Freund Wolf
von Giech, in Truppach bei Wolfheinrich von Aufsess, bei Jörg von Wildenstein
in Nordeck, bei den Sparneckern auf dem Waldstein und bei den Guttenbergern
stets ein offenes Haus.

Die Bluttat selbst geschah im tiefen Weg am
Armensünderhügel“ einem richtigen Räuberwinkel, in dem schon Reithannes,
Schüttensamen und Hans Büttner ihr Unwesen getrieben haben. Hier grenzten
Bistum Bamberg und Markgrafentum Bayreuth aneinander und liessen den Verbrechern
die Wahl, in welches Land sie flüchten wollten. Auch die Oberpfalz war nicht
fern. Hier mündete in die alte Hochstrasse Bayreuth – Pottenstein – Nürnberg
ein Handelsweg, der von Bamberg kam. Dessen Verlauf wird im Lehenbuch des
Markgrafen Johann von 1422 wie folgt beschrieben : Bamberg – Hollfeld –
Appenberg – Wansskau – zwischen Leinburg und Harlandt ber den Zochenbrunnen
hin ( sind heute noch 5 tiefe Hohlwege nebeneinander sichtbar) zwischen der
Boppenreuth, der Eppenau und des Markgrafen Johannsen Holz, am Steinbruch
genannt, und fürter unter des Mistelbecken Holz die Strassen hin bis auf den
alten Fallgatter (Brenfalle) unter Muthmannsreuth“. Hier im dichten Wald
hatte schon der Raubritter Schüttensamen auf seiner Burg Poppenrod gehaust. Die
Höhe 579 gestattete den Frevlern nach allen Seiten eine gute Aussicht.

Die Tat hat sich nach verschiedenen Berichten wie folgt
abgespielt: Am 5. August 1522 waren Wolf Strauss ein Eisenkärmer, Fritz
Neithart ein Feilenhauer und Sebastian Marquart ein Lehrknecht auf der Heimreise
vom Jahrmarkt zu St. Annaberg nach Nürnberg. Müde und hungrig kehrten sie
vormittags 10 Uhr im Wirtshause des Erhart Mann, am Tor gelegen, zu Bayreuth
ein. Zwei Tage vorher waren 13 Reiter des Absbergers nachts nach Streitberg
gekommen, wo sie nicht beherbergt wurden und nach Krögelstein und Truppach
weiterreiten mussten. Tags darauf in Glashtten versammelt, verkleideten sie
einen Vogler, der dem Siegmund von Wirsberg im Schloß Vögel gebracht hatte, in
Reiterkleidern und liehen ihm einen Gaul, damit er in Bayreuth nachsehe, ob
nicht Kaufleute aus Nürnberg herkommen. Die drei Nürnberger sassen gerade zu
Mittag, da kam ein Reiter in die Stube, ein kleines Männlein, flickte an einem
alten Mantelsack, fragte die Männer aus und ritt zum Tor wieder hinaus nach
Glashütten, um die Raubritter zu verständigen. Diese begaben sich an die schon
bezeichnete Stelle, wo sie den Reisenden auflauerten. Die Nürnberger gingen
ber Forkendorf harmlos der Heimat zu, wurden aber in der Sommerhitze so müde,
dass sie bei Hans Mayer auf der Forkendorfer Mühle sich Pferde bis
Hohenmirsberg mieteten. Auf einem vierten Gaul ritt der Bauer selber mit, um
seiner Tiere sicher zu sein. Als sie am „tiefen Weg“ ins Bambergische
kamen, zogen ihnen zwei Reiter nach, von denen jeder ein bloses Schwert in der
Hand hatte. Auf die Frage, woher sie kämen, antworteten sie von St.
Annaberg“ und Strauss setzte hinzu: Wo ich hinkomme, da bin ich
daheim“. Sie sollten nun umkehren und mit den Rittern reiten. Strauss
wollte das nicht. Da schlug ihn der eine Reiter mit dem Schwert über den Kopf,
dass sich die Klinge bog und ihm das Blut über den Kopf herabströmte. Dann
setzt er ihm das Schwert an den Hals und mit der anderen Hand fasste er ihn oben
am Goller. Unterdessen kam noch ein dritter Reiter heran. Nun mussten die
Nürnberger und der Bauer mit ins Holz hineinreiten bis an eine Leithe, an der
noch mehr Reiter sichtbar wurden. Hier stieg der Ritter ab, der sie gefangen
hatte. Er war ein langer, stattlicher Geselle, der einen roten Bart zu beiden
Seiten hatte – der Absberger selbst. Nachdem er die Gefangenen genötigt, ihre
Röcke auszuziehen, fragte er: Ist kein Dissacken (kurzes Messerschwert) da?
Ich muß einmal werken, hab lange nichts gewerkt, will auch ein Weil Meister
sein“! Nachdem ihm ein Dissacken gebracht, nötigte er den Strauss vor
einer Köühlerhtte seine rechte Hand auf einen Stock zu legen. Fünf Hiebe
führte er auf die Hand, ehe er sie ihm abgehauen und zuletzt schnitt er sie ihm
mit einem Messer erst noch vollsätndig ab. Dann kam Neithart an die Reihe. Auch
er bat, ihm seine Glieder zu lassen, denn er sei ein armer Handwerksmann. Es
half ihm nichts. Seine Hand fiel nach zwei Hieben. In Schmerz und Schrecken lief
er davon, ohne zu wissen was er tue. Er sütrzte jedoch bald zu Boden und
glaubte, sein Ende sei gekommen. Jetzt sollte auch der Lehrknecht drankommen.
Der Knecht Veit aber, der für seinen Herrn, den Absberger Edelmannstracht trug,
erbarmte sich des jungen Blutes und sagte : Diesen will ich mir behalten, er
ist ein junger Mensch und mag noch etwas aus ihm werden“. Er fragte darum
den Jungen : Hast schon Bart geschoren“? Nein“ sagte dieser ich
hab noch nit Bart geschoren“! Darauf sagte Veit zu seinem Herrn: Lasse
ihn laufen“! Das bewilligte der Absberger und lies den Jungen schwören,
die 2 abgeschlagenen Hände dem Bürgermeister von Nürnberg zu bringen mit den
Worten“ Der diese Tat getan heisse Hans Thomas von Absberg und wolle ihnen
alle so tun. Hans Thomas habe noch einen Schwertsknopf, in diesen müsse der
Bürgermeister noch beissen, dass ihm das Feuer aus den Augen springe“. Dem
Jungen gab er seinen Gürtel zurück, die Armstumpfe der Krüppel zu
umschnüren, damit sie sich nicht verbluteten. Geld und Waffen behielten sie.
Als sie hörten, dass der Bauer markgräflich war, entliessen sie ihn frei mit
den Pferden. Der junge Lehrknecht holte aus dem Dorfe Muthmannsreuth Bauern
herbei, welche die zwei Verwundeten, die nicht gehen konnten, in ihr Dorf und
anderen Tages nach Nrnberg fuhren.

Bei der Tat waren Wolfheinrich und Jörg von Aufsess,
Christoph Marschalk von Pappenheim, Jörg Wolf von Giech und etwa 15 von ihren
70 Knechten mit 20 bis 30 Pferden dabei. Nach ihrer Tat hatten sie Unterschlupf
in den Schlössern Eckersdorf (Plassenberger und Kindsberger) und Glashütten,
lösten sich auf und der Absberger ritt nach Sparneck und Böhmen. Nürnberg
aber kochte vor Wut und klagte sofort beim Reichsregiment. Das Schauerdrama fand
seine Fortsetzung in der Zerstörung von 20 Adelsburgen im Jahre 1523 im
Oberland durch den Schwäbischen Bund und Nürnberg. Die Ritter mussten den
Purgations – (Reinigungs) Eid leisten, dass sie weder dem Absberger noch
Rosenberger noch Marschalk noch ihren Helfern und Knechten, weder selbst noch
durch ihre Diener beigestanden, sie auch nicht behaust, behoft,
getränkt noch sonst unterstützt haben“. Die Angeklagten waren zu dieser
Purgation nach Nördlingen vorgeladen. Mit Cunz Schott bat dort auch Siegmund
von Wirsberg den Markgrafen um Schutz. Man sagte hernach, dass viele Ritter
falsch geschworen und nur ihren Mutwillen gebraucht hätten.

Der Armensünderhügel“ war früher eine
Richtstätte, für die man gerne Strassenkreuzungen und belebte Stellen nahm.
Hier hat 1464 nach dem Bayreuther Stadtbuch das Bayreuther Gericht zwei
Pferdediebe am Galgen ähngen und einen dritten enthaupten lassen. Dann schreibt
Albert Gross von Trockau 1479 in der Pfingstwoche an den Rat der Stadt Bayreuth
: Hansen Klaybers von Augsburg Hausfrauen, die habe einen Kram auf der Gnade
von Trockau, da St. Oswald rasten tut, feil gehabt und als sie anher gewollt,
sei sie aufm Wege am Armersünderhügel beraubt worden. Das haben getan und sie
gefangen weggeführt Hannss Büttner zu Forderkleba und etliche andere
mehr“. Die arme Händlerin sass von St. Oswald (5.August) fast ein ganzes
Jahr gefangen, bis sie Bayreuth befreite.

In Hellers Chronik 1479 wird von einem Schüttensamen“
auf Schloss Poppenroth am Armersnderhgel erzählt. Besonders seine Söhne
waren als Raubritter gefürchtet. Durch Verrat und Liest eines Knechtes wurde
der eine Sohn und zwei Knechte von den Nürnbergern gefangen. Er kam nach
Nürnberg in das Kapellelein“, da man die Räuber einwiegt in der
Stachelwiege. Darin do dehnt man seine Haut, was er den von Nürnberg hat getan,
das sagt er berlaut“. Schüttensamen musste den Feuertod erleiden, sein
Bruder Konrad wurde mit zwei Knechten in Bamberg am 13.9.1474 mit dem Schwert
gerichtet.

Gottlieb Mller, 7.3.1958